Vor Tagesanbruch zieht Nebel von den Bergen hinunter. Am Talboden des Yabe-Flusses wird er so dicht, dass die Ränder der Teefelder weich verschwimmen: ein natürlicher Schatten, der die Tücher über den Gyokuro-Reihen ergänzt. Das ist Yame, und hier liegt ein Grund, warum dieser Tee immer wieder ausgezeichnet wird.
Der Yame Tee (八女茶, Yamecha) wird in der Stadt Yame und ihrer Umgebung in der Präfektur Fukuoka im Südwesten von Kyushu angebaut. Laut dem Japanischen Ministerium für Landwirtschaft (MAFF, Reiwa 5) erzeugt Fukuoka nur etwa 3 bis 4 % des japanischen Grüntees. Sein Ruf für Qualität ist jedoch weit größer als dieser Anteil, besonders bei Gyokuro. Unter den Teeanbaugebieten Japans nimmt Yame eine besondere Stellung ein: Yame Gyokuro hat beim Nationalen Teewettbewerb Japans öfter Spitzenpreise gewonnen als jede andere einzelne Region.
Merkmale des Tees aus Fukuoka
Fukuoka ist vor allem für Dentō Hon-Gyokuro bekannt, doch die Region produziert auch Kabusecha, Sencha und Matcha. Gemeinsam ist all diesen Teesorten die Landschaft des Yame-Beckens: Berge, Flussnebel, gut drainierte Hänge und Böden, die Wärme und Feuchtigkeit ruhig halten.
| Teeart | Charakter | Anbau |
|---|---|---|
| Gyokuro | Tiefes Umami, Süße, meeresalgenartige Note, kaum Bitterkeit | 20-30 Tage vor der Ernte beschattet |
| Kabusecha | Leichter als Gyokuro, Gleichgewicht von Umami und frischem Grün | 5-14 Tage vor der Ernte beschattet |
| Sencha | Ausgewogene Adstringenz und Umami, klarer grüner Nachklang | Anbau in voller Sonne |
| Matcha | Reich, weich, feines Pulver aus beschattetem Tencha | Beschattet, danach auf Steinmühlen vermahlen |
Ein außergewöhnlicher Gyokuro: bis zu 300.000 Yen pro Kilogramm

Für Gyokuro werden die Teesträucher 20 bis 30 Tage vor der Ernte durch Anbau unter Abdeckung beschattet. Bei Kabusecha sind es meist 5 bis 14 Tage. Ohne direktes Sonnenlicht bleibt mehr L-Theanin im Blatt erhalten, während die Bildung von Katechinen, also Adstringenz, gebremst wird. So entsteht ein Tee mit tiefer Süße und langem Umami.
Der Yame Dentō Hon-Gyokuro wird traditionell nach der Methode „kabeshita“ angebaut, mit Reisstroh und Schilfmatten statt einfachen schwarzen Netzen. Die Ernte erfolgt von Hand, und die Menge ist klein. Spitzenlose können mehrere Hunderttausend Yen pro Kilogramm erreichen.
Eine Produktion, die Umami in den Mittelpunkt stellt
Die lange Erfahrung mit Gyokuro prägt auch den Sencha aus Fukuoka. Yabukita, Saemidori, Asatsuyu, oft „natürlicher Gyokuro“ genannt, und Okumidori werden hier je nach Höhenlage und Gartenstil eingesetzt. Viele Tees aus Fukuoka wirken nicht laut, sondern dicht, süßlich und klar.
Geschichte des Tees in Fukuoka
Die Teegeschichte Fukuokas wird auf etwa 1423 zurückgeführt. Der Zen-Mönch Shūzui soll nach seiner Rückkehr aus China am Reigenji-Tempel im heutigen Kurokimachi Teesamen gepflanzt haben. Zugleich überlieferte er dem Dorfvorsteher Matsuo Taro Goro Hisaie die Herstellung von Kamairicha, also in der Pfanne erhitztem Tee.
Über Jahrhunderte blieb Tee aus der Gegend vor allem ein lokales Produkt rund um Kurume. Erst in der Meiji-Zeit wurde Yame Gyokuro zu einem eigenen Schwerpunkt. Der Mönch Takita Oken richtete am Kiyomizudera-Tempel eine Schulungsstätte ein, um Anbau und Verarbeitung von Gyokuro weiterzugeben.
Als sich der japanische Teemarkt im frühen 20. Jahrhundert veränderte, wurden verstreute lokale Namen unter der Marke „Yamecha“ gebündelt. Der Nationale Teewettbewerb wurde zum Prüfstein. Die wiederholten Siege von Yame in der Gyokuro-Kategorie machten den Namen weit über Fukuoka hinaus bekannt.
Teeanbaugebiete in Fukuoka
Mehr als 90 % der Teegärten Fukuokas liegen im Yame-Distrikt. Deshalb überschneiden sich die Begriffe Fukuoka-Tee und Yame-Tee stark, auch wenn sie nicht völlig dasselbe bedeuten.
Yame: die Heimat des Dentō Hon-Gyokuro
Yame Tee stammt aus der Stadt Yame sowie aus Nachbargebieten wie Chikugo und Hirokawa. In den flacheren Lagen wird vor allem Sencha erzeugt, während die Berggärten besonders für Gyokuro stehen. Yame Gyokuro hat beim Nationalen Teewettbewerb Japans mehr als 23 Jahre in Folge den Preis für die beste Herkunft gewonnen, nach Stand der 77. Ausgabe in Reiwa 5.
Ukiha: Quellwasser und Berggärten

Die Stadt Ukiha besitzt Quellen, die zu Japans „100 berühmten Wassern“ (Hyakunen Meisuichi) gezählt werden. Das klare Grund- und Quellwasser prägt den Alltag der Stadt ebenso wie die Berggärten der Region, in denen aromatische Tees entstehen.
Fukuoka ist auch eine geschätzte Region für Kabusecha und Kamairicha.
Für einen breiteren Überblick lesen Sie unseren Leitfaden zu den Teeanbaugebieten Japans.
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